03.05.2017

Gehirnjogging – was ist dran?

Gedächtnis, Konzentration und logisches Denken lassen ab Mitte 20 nach. Gehirntraining soll den Prozess verlangsamen.
Beim Computer ist es einfach. Sein Gedächtnis wächst mit der Festplattenkapazität. Mehr Arbeitsspeicher und Prozessorleistung lassen ihn schneller rechnen. Das menschliche Gehirn ist da deutlich komplizierter. Doch viele Neurowissenschaftler sind überzeugt, dass sich auch Gehirnleistungen steigern lassen.

Da sich bis ins hohe Alter neue Gehirnzellen bilden und Synapsen ständig neu verknüpfen, halten sie die Strukturen unseres Denkapparats für plastisch und formbar. Besonders das Kurzzeitgedächtnis – also der menschliche Arbeitsspeicher – seit mit gezieltem Training optimierbar. Positiver Langzeiteffekt: In einem trainierten Hirn laufe der ab Mitte 20 einsetzende Abbau von Gedächtnisleistung, Konzentrationsfähigkeit und logischem Denkvermögen langsamer ab.

Wachsender Markt für Gehirntrainings
Anbieter von Gehirntrainings und ihre wachsende Kundschaft folgen diesen Thesen. Darunter die Berliner Synaptikon GmbH. Ihre mit Forschern der TU Dortmund und der FU Berlin entwickelte Online-Plattform NeuroNation ist Trainingsstätte für über 6 Millionen Nutzer. Diese erhalten personalisierte per Smartphone oder Computer durchführbare Aufgaben. Algorithmen im Hintergrund passen den Schwierigkeitsgrad jeweils an ihre aktuelle Leistungsfähigkeit an. Alles läuft spielerisch. Nutzer können in Kontakt zueinander treten und sich gegenseitig herausfordern.

Auch viele andere Apps, darunter das von über 50 Millionen Nutzern weltweit heruntergeladene Quizduell oder Peak Gehirntraining setzen zur Steigerung der Gehirnfitness auf Spaß und Spiel. Ernster geht es bei der Gesellschaft für Gehirntraining zu, die ebenfalls online zum Training bittet und zusätzlich wissenschaftliche Hintergründe liefert.

Wirksamkeit der Trainings nicht unumstritten
Synaptikon zitiert Studien, wonach der „Digital Brain Health“-Markt bis 2020 auf 6 Milliarden US-Dollar wachsen soll. Allerdings ist umstritten, ob sich zu Spaß und Spannung wirklich bessere Gehirnleistungen gesellen? Viele Studien sprechen für die Wirksamkeit des Gehirnjoggings. Doch gibt es auch diverse groß angelegte Gegenbeweise. Beide Lager werfen einander fehlerhafte Studiendesigns vor. Letztlich macht hier wohl nur Erfahrung klug.

 
 
 
 
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